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Honig

Ein Honig gleicht niemals einem anderen Honig und so kann man niemals von Honig als Singularität sprechen. Honig ist planetarisch. Eine ganze Welt spiegelt sich in ihm wider. Das liegt daran, dass viele Faktoren die Zusammensetzung und Beschaffenheit beeinflussen: Witterung, Nektar- und Pollenangebot im Flugkreis, Gesundheitszustand des Bienenvolkes, seine Behausung, also auch der Standort und die Pflege der Bienen. In Berlin gibt es fünf Hauptbaumnektarquellen. Dies ist die Grundlage für eine gute Nektar- und Pollenversorgung unserer Bienen und für eine schöne Honigernte.



Mein Dachhonig zeichnet sich durch den Geschmack der Hauptbaumarten sowie durch einen relativ geringen Wassergehalt aus. Er liegt zwischen 14,5 % und 17 %. In diesem Zustand ist frischer Honig eher zähflüssig, reifer Honig im Herbst eher kristallisiert. Ich rühre den Honig nur sehr wenig, um die innere Verbindung zu erhalten. Beim Rühren gebe ich daher nur wenig Schwung. Dann kann es passieren, dass der Honig im Winter Honigblüten schleudert. Dies ist ihm zu verzeihen. Im Geschmack bewegt sich das Jahr von holzig über minzig bis kräftig.



Der Frühjahrshonig wird im Mai geerntet. Er ist eine Mischung aus Nektar von Spitzahorn, Rosskastanie und Kirsche und Frühlingsblumen wie Vergissmeinnicht. Die Farbe ist rötlich bis kastanienbraun. Er bleibt lange Zeit flüssig und klar. Sein Geschmack: eher holzig bis nussig-fruchtig.



Der Frühsommerhonig wird Mitte Juni geerntet. Er ist von der Robinie geprägt. Der Geschmack reicht von süßlich-mild und grünlich schimmernd bis krautig, minzig mit einem Hauch von Bergamott. Dieser Honig bleibt lange Zeit flüssig.

Der Sommerhonig wird Ende Juni/Anfang Juli geerntet. Er ist kräftiger, gelber, dunkler und er kristallisiert schneller. Er ist geprägt von der Linde, dem Götterbaum und der Maronenkastanie. Je nach Zeitpunkt des Schleuderns enthält er auch Honigtau von der Linde, wodurch er noch kräftiger und malziger schmeckt.

Honigernte

Normalerweise ernte ich mehrmals an den Bienenständen, aber immer nur wenige Waben. Ich achte auf reifen Honig. Mein Honig wird von Hand geschleudert und in jedem Schritt sorgfältig behandelt. Honig ist ein Träger und er hat ein Gedächtnis. Echter Honig ist gesund und regt unseren Geist an. In meiner Imkerei ist es ein Spiel mit vielen Unbekannten und so schmeckt der Honig jedes Jahr anders.

Honiganalyse

Die Qualität meines Honigs zeichnet sich vor allem durch einen niedrigen Wassergehalt (unter 17,5 %) (pdf 701 Wassergehalt) und eine hohe Invertaseaktivität aus. (https://www.honig-verband.de/waermeschaedenwas-uns-das-enzym-invertase-ueber-honig-verraet)

Dies ist ein Wert, der die Enzymaktivität und die Zuckerumwandlung im Honig anzeigt und gilt als ein Zeichen der Naturürlichkeit selbst. Wird Honig erhitzt oder ist er alt, sinkt der Wert und damit auch die Aktivität. Auf dem globalen Honigmarkt wird ein Mindestwert von 64 gefordert. Bei den Analysen lag mein Spitzenwert über 400.

Einige Inhaltsstoffe, wie z.B. Inhibine (Substanzen, die Bakterien hemmen), sind hitze- und lichtempfindlich. Deshalb ist es wichtig, den Honig für den Verzehr nicht zu erhitzen. Außerdem wird er gerne an einem trockenen, kühlen und dunklen Ort gelagert, also im Schrank.

Ich bevorzuge es, reine Blütenhonige zu ernten. Dies zeigt sich in den jährlichen Honiganalysen durch den elektrischen Leitfähigkeitswert von weniger als 0,5 mS/cm.

Die Pollenanalysen zeigen u.a. auch, wie groß die Pflanzenvielfalt in Berlin ist! Für jede Analyse wurden mehr als 500 Pollenproben untersucht. 

Diese lassen sich auf 25 verschiedene Pflanzen und Pflanzengattungen zurückführen. Ein Traum!

Über mich

Ich beschäftige mich mit Mensch-Natur-Beziehungen im urbanen Raum. Ich interessiere mich für zeitgemäße Pflegemassnahmen. Ich mag es, im Garten zu arbeiten, mit meinen Händen den Boden zu berühren. Ich liebe es zu imkern. Ich beschäftige mich mit einer Neuinterpretation der Imkerei im urbanen Kontext. Sie soll eine spirituelle Verbindung zu den Bienen gleichermaßen miteinbeziehen wie eine zeitgemäße Technik. Es geht darum, die Bienen zu gleichen Teilen als Wildtiere, Haustiere und Nutztiere anzuerkennen, ferner geht es darum, einen täglichen Moment mit ihnen zu teilen - jedoch nicht im eigenen Garten, sondern auf öffentlichem oder/und ungenutztem Land, köstlichen Honig zu ernten, alles handgemacht und in einem langsamen Tempo, von Nektarquellen, die zur Stadt gehören und die als "commons" genutzt werden können, und es geht darum, den guten Honig unter Freunden zu verteilen.